Abenteuerreise Transsib

von | Jul 26, 2020

Abenteuerreise Transsib

Eine Abenteuerreise mit der transsibirischen Eisenbahn

Routenplanung der Erlebnisreise

Die klassische Strecke der Transsibirischen Eisenbahn führt von Moskau über Irkutsk nach Wladivostok, der Südast von Moskau über Irkutsk nach Peking. Da ich beide Strecken „erfahren“ wollte, bin ich im Sommer 2017 nach Peking geflogen. Anschließend mit der transsibirischen Eisenbahn über Ulaan Baator (Mongolei) und Ulan Ude (Russland) nach Irkutsk gefahren und habe von dort die Heimreise angetreten.

Da ich berufstätig bin und nur begrenzt Zeit habe, habe ich die Dienste eines Reisebüros in Anspruch genommen und eine gut organisierte Reise zusammengestellt. Auf dieser ersten Reise von Peking nach Sibirien war ich alleine unterwegs.

Route Transsib

Peking – die Stadt der Kontrollen

Der Tag in Peking war beeindruckend aber auch sehr anstrengend. Ich hatte Glück mit dem Wetter und der Luftqualität, sodass sich die Verbotene Stadt von der besseren Seite gezeigt hat. Das eigentliche Ziel war aber die Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn. Am Abend vor der Abenteuerreise mit der Transsib wollte ich mir den Bahnhof anschauen, bin aber dann an den Barrieren am Vorplatz gescheitert. Ich war vorgewarnt. Am nächsten Tag war ich lange vor der Abfahrt am Bahnhof, musste mich bei einem der vielen Fahrkartenschalter anstellen, obwohl ich die Karte bereits hatte. Durch die erste Sicherheitskontrolle, zur Gepäckkontrolle, zur Kontrolle der Fahrausweise zur weiteren Sicherheitskontrolle und dann war ich endlich im Bahnhof. Die Bahnsteige durfte man erst nach einer weiteren Kontrolle betreten.

Bahnhof in Peking

Die Abenteuerreise Transsib beginnt

Der Zug der Transsib war modern und das Abteil in der 1. Klasse angemessen sauber. Endlich begann die Abentuerreise! Die Fahrt von Peking zur mongolischen Grenze war phantastisch. Tiefe Täler, Flüsse und aus dem Nichts auftauchende kleinere Städte mit weit mehr als 100.000 Einwohnern. Dann wieder eine abwechslungsreiche atemberaubende Landschaft, überall hochmoderne Züge, die kreuz und quer durchs Land fahren. Ich hatte mir von diesem Abschnitt nicht viel erwartet und war dementsprechend von den einzigartigen Erlebnissen begeistert.

Von Schmalspur auf Breitspur

An der Grenze zur Mongolei wurde der Zug von der schmalen Spur auf die russische Breitspur umgerüstet. Das hat mehrere Stunden in Anspruch genommen. Die Transsib wurde in eine große Halle gefahren, die Waggons voneinander getrennt. Dann wurde jeder einzelne Wagen hochgehoben und unter dem Wagon wurde das Fahrwerk mit den Rädern getauscht. Anschließend wurde wieder alles fixiert. Man konnte im Wagon bleiben und zuschauen. Ein wahres Abenteuer, das alles mitzuerleben. Ich fand es jedenfalls sehr interessant. Allerdings gab es keine Möglichkeit, den Wagon zu verlassen und die Toiletten waren mehr als 3 Stunden gesperrt. Darauf sollte man vorbereitet sein…..

Transsib

Reisebericht Transsib – die endlose Weite der Mongolei

Frühmorgens war ich schon tief in der Mongolei unterwegs. Die Landschaft war unglaublich weit, ein wunderschönes Bild. Das hat sich allerdings nicht verändert. Die stundenlange Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn war so, als hätte man ein gemaltes Bild ans Fenster gehängt. Keine nennenswerte erkennbare Veränderung.

Großartig, wunderbar, aber irgendwann auch öd

Erst etwas eine Stunde vor Ulaan Baator sind vereinzelte Jurten aufgetaucht, kleine Gruppen von Tieren, erkennbare Veränderungen und vereinzelt halb vergrabene Autoreifen. Richtung Ulaan Baator sind diese Reifen immer häufiger aufgetreten. Irgendwie hat das für mich keinen rechten Sinn ergeben.

In einer großen Schleife nähert sich der Zug auf der eingleisigen, nicht elektrifizierten Strecke, der Hauptstadt. Menschen, Tiere, Jurten und Autos tauchen auf, werden dichter und schon hält man auf Ulaan Baator zu, eine Stadt, die viel moderner wirkt, als erwartet.

Mongolische Steppe
Nomaden in der Mongolei

Ulaan Baator – die rote Hauptstadt der Mongolei

Eine Führerin hat mir die Stadt gezeigt, die interessant, aber nicht großartig ist. Sie entwickelt sich aber rasant und sieht ein Jahr später vielleicht schon wieder anders aus. Arme Leute gibt es dort ganz sicher, Bettler aber nicht. Man kann sich ungestört durch die Stadt bewegen. Die Reiseführerin hat mir erklärt,  dass die Mongolen von der Regierung ein Grundstück bekommen, wenn sie das wollen. Man sucht sich eine freie Fläche, vergräbt als eine Art Zaun alte Autoreifen, um die Grenze des Grundstückes zu markieren. Danach baut man dort ein Haus, eine Hütte oder man stellt einfach eine Jurte auf. Einfach, schnell, effizient aber ohne Infrastruktur wie Wasserleitung, Kanalisation oder Strom. Die Menschen dort können mit so einer Situation umgehen.

Geschlafen habe ich außerhalb der Stadt in einer touristischen Jurtesiedlung. Bei meiner Ankunft wurde ich besorgt gefragt, ob ich Fleisch esse. Ich habe gesagt, dass ich durchaus Fleisch verzehre aber kein Problem damit habe, wenn ich kein Fleisch bekomme. Da bin ich ganz falsch gelegen! Man wollte, dass ich Fleisch esse, weil das Land nicht fruchtbar ist und das Gemüse aus Russland oder China importiert werden muss, während sie das Fleisch selbst bereitstellen können. Vegetarier sind dort nicht sehr beliebt.

Eine Nacht in der Jurte

Die Gegend, in der sich die Jurtensiedlung befunden hat, nennt man die mongolische Schweiz. Das Gebiet ist eine knappe Autostunde von der Hauptstadt entfernt und wären die Jurten nicht, könnte man tatsächlich glauben in der Schweiz gelandet zu sein. Die Übernachtung in der Jurte war trotz des Charmes eines Campingplatzes interessant, weil die fensterlosen Textilhütten ein sehr angenehmes Raumklima erzeugen. Seltsam war jedoch die Flutlichtanlage, die nach Einbruch der Dunkelheit eingeschaltet wurde. Sie sollte den Touristen den Weg zur Hütte mit den Waschräumen zeigen. Eine romantische Atmosphäre war das im Halogenlicht nicht!

Phantastisch war aber die Vogelwelt. Eine unglaubliche Artenvielfalt, wundervolle Raubvögel, ich habe mein Fernglas gar nicht mehr aus der Hand gelegt. Wieder zurück am Bahnhof war ich überrascht. Fast der gesamte Warenverkehr des Landes wird über diese eingleisige Strecke abgewickelt. Der Bahnhof ist ganz in Ordnung aber von überschaubarer Größe und die Züge fahren so selten, dass man fast nichts falsch machen kann. Anzeigetafeln werden nicht benötigt.

Jurtencamp
Greifvogel

Abenteuerreise – von der Hölle in den Himmel

Die weitere Strecke in der Transsib habe ich überwiegend in der Nacht zurückgelegt. Als ich in der Früh bereits in Russland aufgewacht bin, hatte ich das Gefühl, direkt in der Hölle gelandet zu sein! Industrieruinen aus sowjetischer Zeit, alles kaputt, schwarz, verrußt und schmutzig. Hier möchte man nicht bleiben.

Eine knappe Minute später hat sich ein ganz anderes Bild geboten.. Eine idyllische Flußlandschaft, einfach nur himmlisch schön, naturbelassen, wie es das in Westeuropa gar nicht mehr gibt. Dörfer, die von leichten Nebelschwaden umgeben sind, da möchte man sofort aussteigen und verweilen, wenngleich die Idylle bei näherer Betrachtung vielleicht nicht ganz das hält, was das Auge im verklärten Morgenlicht verspricht.

Ulan Ude – Reisebericht südöstliches Sibirien

Ulan Ude ist eine Stadt, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Ein bisschen sowjetisch, aber dennoch modern, beste Infrastruktur, ein Theater, ein Opernhaus, uralte denkmalgeschützte Holzbauten, eine Philharmonie, Restaurants und Cafes, Geschäfte, gepflegte Blumenbeete, Springbrunnen, Familien mit Kindern, alte Leute auf Parkbänken, im Zentrum ein großer Platz für Veranstaltungen und ein riesiger Kopf von Josef Stalin.

Auch Buddhismus ist Teil der russischen Geschichte

Ich habe ein buddhistisches Kloster gesucht, das sich etwa eine Autostunde außerhalb der Stadt befindet. Angeblich hat Stalin den Bau persönlich genehmigt. Wer weiß, vielleicht hat er sich damit doch einen Platz im Himmel gesichert. Das Kloster ist sehr interessant, reich vergoldet und verziert, orientiert sich an Tibet und am Dalai Lama und versteht sich vortrefflich darauf, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Man läßt die Mönche für sich beten und bezahlt dafür. Im fernen Osten wird, so scheint mir, eine Art von Ablasshandel praktiziert, die dem Katholizismus vor der Reform alle Ehre machen würde.

UlanUde
Buddhistisches Kloster

Ich lerne, dass Russland ein Vielvölkerstaat ist, in dem die Regionen weitgehend selbständig sind. In den Schulen wird in der spezifischen Landessprache und russisch unterrichtet und das regionale Parlament ist für die Bevölkerung oft wichtiger als das, was in der Duma im fernen Morkau passiert.

Die Buriaten jedenfalls sind ein stolzes Volk, eng verwandt mit den Mongolen, unterhalten sie beste Kontakte mit den Chinesen und den Mongolen. Das ist, erklärt man mir, in allen Landesteilen so. Die relative Unabhängigkeit der Regionen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Land gut funkioniert.

Seltsame Öffnungszeit im Speisewagon

Von Ulan Ude geht es mit dem Zug weiter nach Irkutsk. Die Öffnungszeiten im Speisewagen richtet sich nach der Zeit in Moskau. Daher war zur Mittagszeit, gemeint ist die Ortszeit, das Restaurant in der Transsibirischen Eisenbahn geschlossen. Das ist einerseits sehr seltsam, wird aber verständlich, wenn man eine weitere Strecke fährt. Denn dadurch kann das Personal wenigstens einen gewissen Rhythmus beibehalten. Das Essen schmeckt, wenngleich ein Steak aus jenem Rindfleisch gemacht wird, das hierzulande gekocht wird. Es ist ähnlich wie in Österreich. Die Qualität ist gut, aber auf einer längeren Reise fehlt bald die Abwechslung, weil die Vielfalt des Angebotes begrenzt ist.

Speisewagen

Beeindruckende Erlebenisse an den Ufern des Baikalsees

Herausragendes Ereignis auf dieser Strecke ist der Baikalsee. Stundenlang fährt man das Ufer entlang. Immer wieder sieht man Leute, die kampieren und fischen, selten sieht man jemanden im Wasser schwimmen. Das ist auch kein Wunder. Obwohl es im Sommer sehr heiß werden kann, erreicht die Wassertemperatur kaum mehr als 14 Grad C und das an den wenigen flachen Stellen. Der Baikalsee ist der größte Süßwassersee der Welt, ist bis zu 1,5 km tief und etwas 600 km lang. Das ist schon beeindruckend.

Am südwestlichen Ende verläßt der Zug den Baikalsee. Die Strecke führt über eine lange Schleife, die einen großartigen Blick auf den See gestattet, nach Irkutsk. Die alte Strecke, die neben dem See verläuft und entlang des Flusses Angara bis Irkutsk geführt hat, existiert nur mehr bis zur Angara, der Rest der Strecke ist dem Bau eines Staudammes zum Opfer gefallen. Die verbleibende Reststrecke am See wird nur noch von Touristenzügen befahren.

Baikalsee
Baikalsee

Irkutsk am Baikalsee

So großartig der Bahnhof von Irkutsk auch ist, liegt er doch etwas abseits auf der stadtabgewandten Seite der Angara. Die Stadt selbst ist interessant, sehenswert, sehr groß, aber dennoch gemütlich. Geprägt ist die Stadt von großen Bauten aus der Zeit der Sowjetunion.

Großzügige Parkanlagen, Uferpromenaden und Zentren zum Flanieren und Einkaufen versprühen einen eigenen Charme. Am Flussufer befinden sich russisch-orthodoxe Kirchen. Eine davon habe ich besucht und wollte gar nicht mehr weg. Die Gesänge dort sind so unglaublich schön, dass ich wohl viele Stunden dort verbracht hätte, wäre ich nicht von einer Reiseführerin abgeholt und mit dem Auto zum Baikalmuseum gebracht worden.

Orthodoxe Kirche Irkutsk

Das Baikalmuseum zeigt die unglaubliche Vielfalt des Lebens im und am See.

Danach sind wir in den Ort Listwjanka gefahren, ein kleiner völlig überfüllter Ort, nicht besonders schön, Parkplätze sind ein kostbares Gut, aber weiter kommt man nicht, dann ist die Straße zu Ende und man kann nur zu Fuß das Ufer des Sees verfolgen. Am Markt wurde ein Fisch angeboten, den es im Baikalsee gibt – den Omul. Zunächst habe ich nicht so recht gewußt, wie ich den Fisch essen soll, aber im Restaurant nebenan durfte ich mich an einen Tisch setzen. Unter der Bedingung ein Getränk zu konsumieren, hat man mich sogar mit einem Teller und Besteck versorgt. In Österreich wäre das wohl undenkbar. Der Omul hat hervorragend geschmeckt – ich will wieder zum Baikalsee!!

Abschied von der Abenteuerreise

Da es zu regnen begonnen hat, habe ich auf einen längeren Spaziergang verzichtet. Stattdessen sind wir zum Holzmuseum gefahren. Dorthin hat man alte Häuser transferiert, die durch den Bau des Staudammes in den Fluten versunken wären. Dort kann man großartig die Lebensbedingungen der Menschen vor der industriellen Revolution erkunden. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt.

Dann ging es zurück ins Hotel, das wohl auch zur Zeit der Sowjetunion errichtet worden ist, aber schön restauriert, sauber und ordentlich war. Zum Abschluss der Abenteuerreise mit der Transsib habe ich noch einmal die Kirche besucht und mich an den wunderschönen Gesängen erfreut. Bevor es dann zum Fluhafen ging und ich dann über Moskau die Heimreise angetreten habe.

Ich wusste schon, dass ich wiederkommen würde, im nächsten Jahr und ich habe mich schon auf die Reise von Wladiwostok nach Moskau gefreut. Am Flughafen in Irkutsk ist ein Paar auf mich zugekommen und wollte ein Foto. Ich dachte, ich soll ein Foto von Ihnen aufnehmen und habe bereitwillig zugesagt. Doch die bildhübsche junge Frau hat sich an meine Seite begeben, mich umarmt und ihr Partner hat ein Foto von uns beiden gemacht. „Endlich“, hat sie gesagt, „habe ich ein Foto mit dem richtigen Nikolaus.“

Holzmuseum
Abenteuerreise Transsib 1
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