Abenteuerreise Türkei 2011

von | Mai 7, 2020

IDA Gebirge Kleinasien

SO statt SW

Für eine neue Tour im Herbst planten wir eine Erkundungsfahrt nach Tunesien in den letzten 2 Jännerwochen. Dann häuften sich die Meldungen über landesinterne Unruhen, Proteste und Auseinandersetzungen. Wir hielten ständig Rücksprache mit unseren tunesischen Kontakten, aber die Lage im Norden des Landes verbesserte sich nicht. So entschlossen wir uns am Tag vor der Ausrufung des Ausnahmezustandes unsere Fähre zu stornieren. Krisensitzung am selben Abend, 1 Tag vor der geplanten Abfahrt. Kartenstudium und letztendlich die Entscheidung uns auf den Weg Richtung SO in die Türkei zu machen. Wir hatten kein klares Ziel, nur eine Zeitvorgabe von 2 Wochen.

Die Anreise erfolgte über Rumänien und Bulgarien, quer durch das Land, schöne Schlafplätze abseits der Hauptroute, sternenklar bei warmen Null Grad in Rumänien.  Auf dem Weg nach Süden wollte uns das GPS immer einen Umweg von 200 km fahren lassen. Wir fuhren aber stur unseren Karten nach und standen bald darauf an den Ufern der Donau bei BECHET.

Mit der Fähre gelangten wir nach Bulgarien. Es war saukalt, ein eisiger Wind blies uns um die Ohren. Wir fanden einen Schlafplatz mit toller Aussicht, in der Früh war jedoch Eis kratzen angesagt.

Schlafplatz in Rumänien
Grenzübergang Fähre Bechet
Frostiger Morgen Bulgarien

Der erste türkische Straßenkebab

Einreise in die Türkei am 18.1. bei EDIRNE. Unsere weitere Route führte uns auf die Halbinsel GELIBOLU im Westen und mit der Fähre nach LAPSEKI. Am Hafen wurde gerade ein abfahrbereites Schiff beladen, wir geschwind zum Schranken, zahlten 4,- TL (ca. € 2,-), freuten uns über den günstigen Preis. Das Schiff war aber bereits voll und fuhr ohne uns ab, wir standen am Hafen und stellten fest, dass die 4,-  TL nur die Parkgebühr waren. Wir trösteten uns mit dem ersten türkischen Straßenkebab von einem Rollwagenstand (war köstlich) und legten ca. 1 Stunde später ab.

Auf der Fähre stärkten wir uns mit heißem türkischen Tee und Kaffee und gelangten in der Abenddämmerung auf die andere Seite der Bucht.

Fähre nach Lepseki
Straßenkebap am Hafen
Tee und Kaffe auf der Fähre

Einen Schlafplatz finden war nicht einfach

Wir versuchten über kleine Verbindungswege  durch das kleinasiatische IDA-Gebirge in den Süden zu gelangen. Super Wetter, wunderschöne Täler, fantastische Vegetation. Im Winter kaum befahren, führten sie uns durch kleinste Dörfer, mit teilweise „mehr Kühen als Einwohner“. Einkaufen in ETILI, Kebab in BAYRAMIC.

In dieser Region wird jeder kleiner Fleck für die Landwirtschaft genutzt. Dadurch war es etwas schwierig einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Eine sternenklare Nacht verbrachten wir auf einer kleinen Wiesen inmitten von Olivenhainen. Am nächsten Morgen bekamen wir Besuch von den Dorfobersten, denen wir zusagten, in einer halben Stunde abzufahren. Aufgrund eines elektrischen Problems in der Heckklappe des 4-Runners verzögerte sich unser Aufbruch und just als wir losfahren wollten, stand das Militär bei uns. Passkontrolle, Fragen WOHER – WOHIN, eine Abmahnung das nächste Mal ein Hotel zu nehmen und dann durften wir unserer Wege ziehen.

IDA Gebirge Türkei
Tierhaltung Türkei
Bayramic Türkei

Auch die Kultur kam diesmal nicht zu kurz

Bei EZINE wandten wir uns daraufhin dem Meer zu, zur ägäischen Mittelmeerküste. Hier begann der kulturelle Teil mit Besichtigungen von TROAS und ALEXANDRIA, ASSOS und BERGAMO, dazwischen Mittagspause am Meer, kurzes Bad.

Tempel auf der Agora
Tempel auf der Agora Türkei
Tempel auf der Agora Türkei
Mittagspause am Meer Türkei

ASSOS ist um 700 v.Chr. von Siedlern von MYTILENE (heutiges Lesbos) gegründet worden. Aristoteles hat dort 3 Jahre gelebt und der Apostel Paulus hat den Ort kurz besucht. Oberhalb des Theaters befanden sich der große Versammlungsplatz und die Händlerarkaden. Eine große Schule wurde in der Zeit von 400 bis 200 v.Chr. errichtet. Außerhalb der Mauern gab es die „Strasse der Gebeine“, wo heute noch einige unbenutzte Sarkophage und Urnen zu sehen sind.

Assos Türkei
Theater in Assos Türkei
Strase der Gebeine Assos Türkei

BERGAMO (ehemals Pergamon) wurde bereits in den Zeiten Trojas errichtet und erlebte seine Blüte in der Epoche nach Alexander des Großen, bevor die Römer Kleinasien beherrschten. Besonderheiten waren das Theater (später auch Versammlungsort) das in 3 Ebenen zu je 3 Sektoren ca. 10.000 Personen Platz geboten hat, und die Bibliothek, die in Ihrer besten Zeit 200.000 Bücher besessen haben soll.

Theater Pergamon Türkei
Pergamon Türkei
Tempel Pergamon Türkei
Tempel Pergamon Türkei

Endlich wieder Schlafplatz mit Lagerfeuer

Nach GÖCBEYLI kehren wir den Tempeln den Rücken und es geht wieder ab in die Berge. Über schmale ausgewaschene Steinwege abseits von jeglichen Tourismuspfaden turnen wir durch die türkischen Berge. Nahe einem kleinen Bach, wo wir ausnahmsweise wieder einmal ein Lagerfeuer machen konnten, schlugen wir unser Nachtlager auf. Vor allem im Sommer herrscht in diesem Gebiet große Trockenheit und daher sind Lagerfeuer wegen der großen Brandgefahr grundsätzlich verboten. Mit diesem Problem haben wir im Winter nicht zu kämpfen.

4x4 Abenteuerreise Türkei
4x4 Abentuerreise Türkei
Schlafplatz mit Lagerfeuer Türkei

Durch das Hinterland

Mit unseren äußerst genauen russischen Militärkarten fuhren wir auf Verbindungswegen in wunderschönen Föhrenwäldern durch kleinste Ortschaften. Ganz nahe konnten wir das Leben in dieser rauhen Landschaft miterleben.

Und wenn man so tief in ein Land eintaucht, dann kommt man immer wieder zur Erkenntnis, dass sich die Lebensweise in den einzelnen Regionen der Erde gar nicht so sehr von einander unterscheidet. Natürlich immer angepaßt an die klimatischen Bedingungen der jeweiligen Region.

Bergdorf Türkei

Freundliche und hilfsbereite Menschen in den Bergdörfern

Mittlerweile ist es wärmer geworden, der Boden taute auf und wir kämpften uns stundenlang durch tiefen Schlamm. In SAVASTEPE gelangten wir schließlich wieder auf die Bundesstrasse. An einer Tankstelle reinigten wir unsere versauten Fahrzeuge und tankten auf. Dort trafen wir Mustafa, in Hamburg geboren, kehrte er nach 24 Jahren in Deutschland mit den Eltern wieder in die Heimat zurück. Wir tranken Tee und führten mit ihm interessante Gespräche über die unterschiedlichen Kulturen, in denen er gelebt hat und jetzt lebt, mit all ihren guten und schlechten Seiten. Allerdings stand seine Ansicht von den Einwohner im Gegensatz zu dem, was wir an Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in den Bergdörfern bis dahin erfahren haben, ohne aber dabei Aufdringlichkeit erlebt zu haben.

Menschen Türkei
Menschen Türkei
Bergdorf Türkei
Menschen Türkei

Regen und Schneefall am Schwarzen Meer

In BALIKESIR Essen, einkaufen, Stadtrundgang. Etwas zu lange hielten wir uns auf und so standen wir vor der fast unlösbaren Aufgabe, hier einen Schlafplatz in der Dunkelheit zu finden. Ein Wetterumschwung setzte ein, sehr starker Wind kam auf und es begann zu regnen.

Weiter durch die Berge Richtung BURSA, abenteuerliche Steilabfahrt auf eine Quellwiese. Zum Nachtmahl HOSCHOR á la Andreas (eine mongolische Speise) mit türkischen Köfte. Allerdings auf dem Benzinkocher statt auf Lagerfeuer, der Regen hat es ausgelöscht. Die Nacht waschelte es so richtig durch, am nächsten Morgen ein eingeweichter Freddy. Bei beginnenden Schneefall, Nebel und Temperaturen unter Null begaben wir uns auf direktem Weg nach Istanbul – mit einem winzigen Umweg an die Schwarzmeerküste. Starker Sturm, eiskalte Temperaturen und Regen luden nicht gerade zum Baden ein. Nur Myra hatte Spaß an den Temperaturen und den Wellen.

Schwarzmeerküste Türkei
Schwarzmeeküste Türkei
Schwarzmeerküste Türkei

Von Istanbul über Serbien nach Wien

Einreise in Istanbul zur Rush Hour, der Verkehr ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Wir haben ein nettes Hotel in der Innnestadt gefunden. Es ist ja nicht gerade viel Tourismus um diese Jahreszeit. Leider war dadurch aber auch das Hammam geschlossen. Auch die Restaurants waren weitgehend geschlossen. Das Essen war dann auch ein Reinfall. Als Ausgleich haben wir aber ein nettes Cafe mit Shisha gefunden und konnten so den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen einkaufen im großen Basar und am etwas kleineren Gewürzmarkt. Direkte Heimreise über Bulgarien, Serbien und Ungarn. Hier erwischte uns der Winter so richtig mit Schneefall und Minus 16 Grad !!!

RESÜMEE

Es war seit langem wieder einmal eine Reise ohne Vorbereitung, eine Fahrt ins Blaue. Entscheidungen trafen wir von Tag zu Tag und machten sie von Landschaft und Wetter abhängig. Zum ersten Mal waren wir mit Dagmar, Freddy und ihrem 4-Runner unterwegs. Durch Kompromissbereitschaft von beiden Seiten wurde es aber trotz widriger Umstände eine gelungene Erkundungsfahrt nach Kleinasien (Westtürkei).

Ankunft in Istanbul
Basar in Istanbul
Gewürzmarkt Istanbul
Wintereinbruch in Serbien
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