4×4 Abenteuerreise: Albanien so nah und doch so fremd

von | Apr 6, 2020

Wir brauchten eine Auszeit.

September 2015

Seminare, Schulungen, Kundenberatung im Geschäft – immer waren Menschen um uns herum, für die wir letztendlich eine gewisse Verantwortung hatten. Wir wollten uns eine Auszeit nehmen, unser Zeitrahmen war aber mit zwei Wochen begrenzt.

Wohin sollen wir uns wenden: in den Norden – dafür war uns der Zeitraum zu knapp, Rumänien kennen wir von unseren Offroad-Trainings schon in und auswendig, ebenso Italien und Frankreich durch zahlreiche Ausfahrten. Da war doch ein Land im Süden, näher als Griechenland und die Türkei, nicht so erschlossen wie Kroatien – ALBANIEN, das unbekannte Land in Europa. Ein hart umkämpfter Streifen entlang des Ionischen Meeres, durch eine Diktatur im 20. Jahrhundert fast in Vergessenheit geraten, zieht es heute immer mehr Leute an, die ein wenig Ursprünglichkeit suchen.

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Einfach darauf los fahren und sich treiben lassen.

Ohne große Ziele, aber mit gutem GPS-Gerät und dem dafür speziell aufbereiteten elektronischen Kartenmaterial machten wir uns Anfang September 2015 auf den Weg. Die Arbeit lässt uns in Wirklichkeit ja nie los – denn wir nutzen diese Gelegenheiten, unsere Produkte ausgiebig zu testen. Es war schön und heiß als wir aufbrachen und vorweggenommen, der Wettergott war uns hold und bis auf eine Nacht Regen schien immer die Sonne.

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In den Tälern der Albanischen Alpen herrscht noch Selbstjustiz.

Von Norden kommend gibt es zwei Grenzübergänge. Wir wählten den östlich gelegenen, und schon die ersten Meter zeigten uns, was die nächsten Tage auf uns zukommen würde. Eine gigantische Berglandschaft – nicht umsonst wird das Gebirge als die Albanischen Alpen bezeichnet. Tiefe Schluchten, grüne Wiesen, klare Bäche – Herz was willst du mehr.

Die Bergkämme verlaufen von Norden nach Süden, ebenso die Straßen, die sich eng an den Fels schmiegen. Wenig Asphalt, aber recht gut zu befahren, allerdings völlig ungeeignet für große Expeditions-LKW. Für die ist einfach zuwenig Platz.

Von Ost nach West gelangt man nur über Hauptstraßen, und von denen gibt es nicht viele. Die Täler enden meist an steilen Felswänden; die Menschen dort haben ein hartes Leben, sind im Winter mehrere Monate eingeschneit und auf sich selbst gestellt. Es sind starke Persönlichkeiten, geradlinig, ehrlich, stolz – ihre Streitigkeiten regeln sie selbst, vom Staat verordnete Gesetze haben einen geringeren Stellenwert.

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Als Reisender braucht man aber keine Angst zu haben

Die hier lebenden Menschen würden nie auf die Idee kommen, einen Gast zu bestehlen oder ihm gar etwas anzutun. Also lassen wir beruhigt unser Fahrzeug das eine oder andere Mal stehen und begeben uns auf einen Tagesausflug.
Wir treffen auch viele junge Leute, die mit Rucksack unterwegs sind. Man sollte aber alles dabei haben, Zelt, Schlafsack, Matten, denn es gibt noch nicht viel Infrastruktur für Reisende, nur vereinzelt an den touristischen Hotspots, wie beispielsweise in Theth. Vom Westen kommend führt eine mittlerweile
asphaltierte Straße auf den Thertorja-Pass, hinunter geht es noch immer über Schotterwege. Entlang des Shala-Fluss geht es das Tal hinaus nach Süden. Hier einen Schlafplatz zu finden, ist nicht so einfach. Einmal machten wir den Fehler, zu nah am Fluss zu campieren. Ein Unwetter in der Nacht ließ den Grundwasserspiegel steigen, und wir mussten im Dunklen mühsam einen Weg durch das Wasser auf höhere Gefilde suchen. Ab diesem Zeitpunkt legten wir unser Augenmerk auf höher gelegene Schlafplätze.

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Das Land der Kaffeetrinker.

In jeder kleinen Stadt gibt es eigene Geschäfte mit einer großen Auswahl verschiedener Bohnen. Diese werden dann vor Ort frisch gemahlen, für Filter, Espresso oder türkischen Kaffee. Für alle Teetrinker, so wie ich auch eine bin – nehmt Euch genügend Teevorrat mit, Ihr werdet Euch nicht wirklich mit gutem
Tee versorgen können. Ansonsten bekommt man alles, in den Städten gibt es Supermärkte und Märkte, in den kleineren Ortschaften kleine Läden. Auch das Tankstellennetz ist gut ausgebaut, und man muss sein Fahrzeug nicht speziell mit Zusatztanks oder Kanistern ausstatten, selbst wenn man weg von den
Hauptpisten tiefer in das Land hineinfährt.

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Mit der Fähre über den Koman-Stausee

Weiter nach Osten wollen wir mit der Fähre über den Koman-Stausee gelangen. Die Straße, diesmal durchgehend asphaltiert, schlängelt sich in vielen Kurven entlang des Drin Richtung See. Am Ende des Tales fahren wir auf eine riesige Staumauer zu, links und rechts Felswände – wie sollen wir hier zur Anlegestelle der Fähre gelangen? Nach der letzten Kurve wussten wir es – ein 1,4 km langer Tunnel, gerade einmal eine Fahrspur breit, führt uns durch die Staumauer ans Ufer des Sees. Die große Fähre fährt nur bis Ende August, zum Glück ergatterten wir die letzten Plätze auf einem der beiden Ausflugsboote, die am nächsten Morgen mit uns an Bord ablegten. Allerdings mit ca. eine Stunde Verspätung, da das Schlichten der Fahrzeuge einige Zeit in Anspruch genommen hat.

Die Fahrt selbst durch die engen Schluchten zwischen Hunderte Meter hohe Felswände dauerte ca. drei Stunden, auch etwas länger als üblich, da die Fähre wegen des Gewichtes nur langsam vorankam. Ansonsten hätte sie zu viel Wasser aufgenommen. Den Kapitän konnten wir mit unserem H&T Expedition Rugged Prov-Navi begeistern und er verfolgte seine Fahrt gespannt auf dem Satellitenbild.

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Sanfte Hügellandschaft im Osten Albaniens.

Der Osten bot ein ganz anderes Landschaftsbild, sanfte Hügel, große Seen, ein Gemisch verschiedener Kulturen – griechisch, mazedonisch, osmanisch. Vorbei am Weltkulturerbe Gjirokastra, eine mittelalterliche Stadt mit engen, mit Pflastersteinen ausgelegten Gassen, kommen wir zum südlichsten Punkt unserer Reise und biegen dort nach Westen Richtung Meer ab. Die Strände sind im September verlassen, diverse Strandhütten lassen aber erkennen, dass hier im Sommer Hochbetrieb herrscht. Und jetzt werden sie von Ziegen bevölkert. Die südliche Steilküste ist nur an wenigen Stellen zugängig, weiter im Norden
bieten die Sandstrände mehr Möglichkeiten, zum Wasser zu gelangen. Mit zwei Badetagen lassen wir diese Reise ausklingen.

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Unser Fazit

Albanien ist eine Reise wert. Egal ob mit Allrad, der Enduro, dem Fahrrad oder zu Fuß – das Land bietet zahlreiche Möglichkeiten. Die Versorgung ist gut, sowohl mit Lebensmitteln als auch mit Treibstoff. Quartiere sind nicht so häufig, hier sollte man besser alles dabei haben.

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