Holy land of the ancestors

von | Dez 31, 2019

Der lange Weg zum Strand!

Oh mein Gott! Wie doch diese Krähe nervt. Dauernd verfolgt sie uns mit ihrem heiseren Gekreische. Die anderen Vögel geben ja unter Tags fast keinen Pieps von sich, aber die Krähe kann einfach, den ganzen Tag nicht die Klappe halten. Vögeln wie Galahs, Kakadus und Budgerigars – besser bekannt unter Wellensittich, fliegen hier in riesigen Schwärmen lustig durch die Gegend und müssen nicht eingesperrt in einem Käfig von der Freiheit singen.

Wir sitzen gerade beim Frühstück, als plötzlich ein ca. 120cm großer Brolgakranich schnellen Schrittes in unsere Richtung kommt und pfauchend und aggressiv auf unser Frühstück hin hackt. Schon blöd wenn es heißt man soll keine Wildtiere füttern, aber das Wildtier selbst hält sich nicht daran.

Unsere Reise führt uns diesmal in das Arnheim Land im nördlichen Australien. Das 97.000km² große Gebiet entspricht in etwa der Größe Portugals und ist eines der wenigen Gebiete in Australien, in dem die Aborigines noch traditionell leben können und seit 1976 auch offiziell wieder dürfen. Alles auf diesem Landstrich ist eng verbunden mit den Mythen der Ahnen. Es gibt überall heilige Stätten die für uns zwar wie hübsche Steinhaufen aussehen aber für die Ureinwohner eben so viel bedeuten wie für uns die Kirchen. Das Betreten des Arnhem Land ist daher streng limitiert und nur mit einem Permit des Yolngu-Stammes erlaubt.

Unser Weg führt uns vom Kakadu NP kommend, durch den schnell fließenden South Alligator River direkt in unser Abenteuer Arnhem Land. Und das Abenteuer beginnt tatsächlich gleich hier am Cahill Crossing. Volles Abenteuerprogramm in HD mit Überdosis Adrenalin gibt es hier gratis.

Da der Wasserstand während der Tageszeit ständig bis zu 3m variiert, ist das Zeitfenster für eine Querung immer nur sehr kurz. Hier haben sich in der Vergangenheit wahre Katastrophen abgespielt und daher wurde vor einigen Jahren die Furt betoniert um das Queren zu entschärfen. Schaulustige versammeln sich zu den Durchfahrtszeiten am Westufer um zu dokumentieren wie Autos davon schwimmen oder Salzwasserkrokodile sich in Autoreifen verbeißen.

Oenpelli am Ostufer des Flusses, ist eine kleine Aborigines Siedlung wo es sich lohnt einen kleinen Halt zu machen um noch das letzte Mal Vorräte zu bunkern und mit Menschen in Kontakt zu kommen. Die nächsten 270km gibt es nichts dergleichen. Zwei Tage haben wir nun Zeit unser Ziel Smith Point zu erreichen und wieder hier her zurück zu kommen.

Die Fahrt durch den Gurig NP führt durch eine imposante Ebene. Die Farben des Busches harmonieren perfekt mit der roten Erde, dem saftigen Grün des Grases, das aus der schwarzen verbrannten Erde des letzten Buschfeuers sprießt. Ghost trees entzücken uns mit ihren strahlend weißen Stämmen und verleiten uns immer wieder zu Tagträumen. Hin und wieder hoppelt ein Wallaby durch das Bild; – Perfekt! Die kleinen zu querenden Creeks mit ihren blühenden Wasserlilien bringen immer etwas Abwechslung in das monoton scheinende Bild und fordern uns immer wieder zum kurzen Verweilen auf. Und da fragen wir uns, – wo sind die Krokodile?

 Es rumpelt und klappert unaufhörlich als wir mit unserem Landcruiser über die holprige Piste dahin brettern. „Wann ist wohl hier der letzte Grader gefahren?“ -schießt es mir durch den Kopf.

 

Die ganze Fahrt bis zum nördlichsten Punkt dieser Tour ist wegen des Zeitlimits beschwerlich und lange. Endlich haben wir nach fast einem ganzen Tag Fahrt Smith Point erreicht. Wir können es kaum glauben das wir doch noch angekommen sind, an diesem ruhigen einsam schönen Ort.

 

Mehrere Hütten stehen in sehr großen Abständen von einander unweit vom Strand. Wie es sich in Australiens Outback gehört sind diese typisch einfach aus Wellblech gebaut;- Die Einrichtung ist spärlich aber funktionell. Von der Veranda aus stört nichts den Blick zum Meer nach Westen. Ausgenommen vom Wind, der unaufhörlich ein aus Muscheln gefertigtes Windspiel zu klappern bringt stört kein Geräusch diesen wunderbaren Ort; – die verdammte Krähe natürlich schon!

Die Sonne plumpst gerade in herrlichen Farben am Horizont ins Meer, als plötzlich von der Nebenhütte, die ca. 100m weit entfernt steht, zwei Männer mit einer sehr großen blauen Kunststoff Kühlbox zu uns herüberkommen. „G´day mates“, begrüßen sie uns und schnell wechseln einige Bierdosen den Besitzer. Es sind Mike und Jordan, die zwei leidenschaftlichen Fischer haben 10 Tage Urlaub und kommen aus dem weit entfernten Adailade um hier Barramundi zu fischen. „Sind 3.500km nicht etwas sehr weit, nur um Fische zu fangen“, frage ich. „No worries! Just 3days for one direction“.

Für Gute Fischgründe fährt man schon mal öfter auf Kurzvisite auf die andere Seite des Kontinents, erzählen sie schmunzelnd weiter. Heute war ein guter Tag für die Beiden. Es gibt so viel Fisch wie schon lange nicht mehr. Und so kommen wir auch noch zu frischem Fisch aus der Kühlbox. Oh Mann, wie schön doch das Leben sein kann – denke ich mir.

 Der Tag war anstrengend und ich verspüre den Drang nach einer Dusche. Ich schnappe mir Handtuch und Seife und begebe mich zur Duschkabine die hinter dem Haus auf einer Wiese steht. Grün und einsam steht sie da; – die Dusche. As usual aus Wellblech mit einem großen, weiß gestrichenen Wassertank in luftiger Höhe. Es gibt freie Sicht in den Himmel und so scheint der wacklig rostige Duschkopf direkt vom Himmel herab zu baumeln. Über den ebenfalls rostigen Ventilen sind zwei große Muscheln, die als Seifenschalen dienen montiert. Outbackstile pur sozusagen.

Doch ich bin nicht allein. Drei grüne Baumfrösche sitzen am Duschkopf und schauen mir interessiert zu.

Nach dem vorzüglich gegrillten Fisch mit Knoblauch und Mango fallen wir dann zufrieden in unsere, diesmal frisch gemachten Betten und lauschen der Brandung vor der Hütte bis wir zufrieden einschlafen.

Vor Sonnenaufgang gehe ich noch ein letztes Mal den Strand entlang. Unzählige Schmetterlinge fliegen auf als ich durch das Gras schlurfe. Es ist herrlich hier, denke ich mir und es fällt mir schwer schon wieder Abschied nehmen zu müssen. In der Nacht hat es unzählige Arten von Muscheln und Korallen, darunter auch die schwer geschützte schwarze Koralle, an den Strand gespült. Der Aufenthalt hier war zwar nur sehr kurz und mir wird einmal mehr bewusst, dass nichts für ewig sein kann. Es freut mich daher umso mehr das Privileg gehabt zu haben, hier Gast gewesen zu sein.

 

Ich habe wirklich keine Ahnung warum ich Australiens Outback so liebe. Es gibt hier überall auf so viel Platz so wenig zu sehen; – und doch fasziniert mich dieser Kontinent immer wieder. Man muss es tatsächlich erlebt und gespürt haben um es zu verstehen. Doch für meinen Teil weiß ich eines jetzt schon:

„Es wird mir fehlen, das Outback! Und die nervende Krähe natürlich auch.“

Tipps

Reisezeit: Ins Arnhem Land von Mai bis Oktober

Permits: kostenpflichtig, sollten ein Jahr im Voraus beantragt werden

Mietwagen: auf jeden Fall 4WD, über Reisebüro oder Online buchen. Es muss allerdings eine hohe Kaution hinterlegt werden.

Übernachtung: Wir haben im Fahrzeug geschlafen, am Strand in einer Hütte

Versorgung: Letzte Möglichkeit in Oenpelli, aber nur das Wichtigste, sehr Basic

Tanken: Letzte Möglichkeit in Jabiru / Kakadu NP bevor man Cahill Crossing passiert

Unsere Empfehlung:

Sehr strapazierfähige Kleidung, wenn geht mit Sonnen und Mückenschutz und natürlich langärmlig. Ein Hut und hoher Sonnenschutz (min.30) ist sehr wichtig! Eine abzippbare Hose wäre perfekt. Dann ist es unbedingt notwendig IMMER! hohe feste Schuhe zu tragen, um gegen Schlangen, Spinnen und dem hartholzige Spinifexgras  geschützt zu sein.

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